10.03.2017 - Stadtmeister sind wir!


Die Partie am Donnerstagabend stand auf wackeligen Beinen. Die Unioner hatten dem kurzfristigen Verlegungswunsch des Gegners, dem VfL Oldesloe, vor ein paar Wochen selbstverständlich zugestimmt, als denen mit Wochenfrist klar geworden war, dass drei „wichtige“ Spieler im Urlaub wären. Nun war es an den Unionern die Partie zu verschieben, denn fünf Spieler hatten sich im Laufe der vergangenen Woche verletzt, dazu Urlaub und berufliche Abwesenheit. Der VfL stimmte einer weiteren Verlegung nicht zu, weil in der Vergangenheit mal eine Verlegung an keinem Ersatztermin der Unioner gescheitert war. Dass dies durch den – da wiederholen wir uns gerne – engst möglichen Terminplan der Spielleitende Stelle verursacht war, wurde als bedeutungslos eingestuft. Fairplay und so, na ja. Der passende Kommentar eines VfL-Spielers: „Da habt Ihr Euch wohl mit der Verlegung ins eigene Fleisch geschnitten“, sagte dann auch irgendwie alles.

Sei es drum, bevor dem Stadtrivalen die Punkte geschenkt werden würden: Alles getaped, was zu tapen war, alles andere mit Ratiopharm erträglich gestaltet, den Urlaub abgesagt und eine Nachtfahrt zum Job in Kauf genommen.

Was die Unioner grundsätzlich davon hielten, zeigte sich schon vor Anpfiff, denn die VfLer hatten im Gefühl eines Heimspiels die Hallenmusik angeworfen, so lange zumindest, bis die lautere Warmmachmucke der Hausherren im Hallenrund eingetroffen war und ein erstes – wenn auch akustisches Zeichen – setzte.
So begann dann das Spiel der 12 Unioner gegen 14 VfLer unter den Augen eines Schiedsrichtergespannes. Nach ein paar Minuten stand es 2:2, hüben wie drüben, konnten immer wieder die Spieler durch die Abwehr durchtanken und zu Treffern kommen. Die Gäste profitierten von ein paar unglücklichen Abschlüssen der Unionern und konnten sich mit drei Toren absetzen. In der für die Uhrzeit und den Wochentag vollen Halle fühlten sich die Gäste wohl schon sicher und merkten gar nicht, dass die Gastgeber so langsam zurück in den Spielmodus fanden. Nächster Zwischenstand 7:7 und auf beiden Seiten wurde engagiert, aber nicht unfair agiert. Der Spielmacher der Gäste provoziert gerne, um Strafen für die Gegner zu erreichen, hat aber an dem Abend nach einem Kampf um den Ball den verbal erträglichen Rahmen in so tiefe Gefilde verlassen, dass es ihm hoffentlich so peinlich war, dass er nach Spielende grußlos verschwand.

Gespielt wurde natürlich trotzdem. Die Gäste diskutierten so ziemlich alles und motiviert durch die Zuschauer auch immer intensiver, verloren aber dadurch mehr und mehr die Konzentration und so ging es mit 11:9 für Union in die Pause. „Alles cool, die – also die VfLer – sind nervös, wir rocken das“, so der Tenor der Ansprache.

Wieder raus und gleich um einen erhöht, den Gegnerball abgefangen und durch eine Riesenlücke durchgetanzt, 13:9…. Äh, leider nein. Einen halben Meter im Kreis gestanden und im Gegenzug das 12:10 kassiert. Das war der erste von 6 Treffern in Folge für die Gäste, die sich in dieser Phase schon als Sieger fühlen mochten. Wie aber so häufig in diesem Sport, war aber gar nichts passiert, denn die Hausherren ihrerseits setzten 7 Treffer in Folge. In solchen Phasen steigt dann aber auch der Gesprächsbedarf und die beiden Holger, also die Trainer, besprachen sich dauerhaft über die Köpfe des Kampfgerichtes. Glücklicherweise ließen sich zumindest die Schiedsrichter davon nicht auch noch in den Strudel der Emotionen ziehen und zückten nur mal die gelbe Karte für die Bank.

Zwischendurch immer wieder mal eine Zeitstrafe für die Spieler, aber nichts Ernstes. Hot and spicy, so das Finale des Spiels. Einem Krimi gleich, bogen die Mannschaften auf die Zielgerade ein. 57. Minute, 21:21, 22:21, 22:22, plötzlich der Gästecoach aufgebracht auf dem Feld. Ein Bärendienst, denn den Rest des Spiels, also neun Sekunden, die VfLer nur noch zu viert auf dem Feld. Die Unioner den Ball am 9m. Schneller – miserabler Pass - zur Seite und beinahe hätten die Gäste den Ball gehabt, Abwehr im Kreis, 9m, schnell ausgeführt und eine Sekunde vor Ende den Ball zum 23:22 in die Maschen gehauen.
Es folgte nur mehr Freunde, denn die Unioner hatten das umkämpfte, spannende Spiel gewonnen und dürfen sich Stadtmeister nennen – zumindest bis zum nächsten Aufeinandertreffen. Wer an dem Abend nicht dabei war, ist selber schuld.

Es war sicher nicht das beste Spiel der beiden Mannschaften, aber darum ging es an dem Abend nicht. Viele Fehler prägten das Derby und letztlich haben die Unioner gewonnen, weil die Torhüterleistung der Gastgeber einfach die bessere war.

Wer hätte im Dezember vermutet, dass die Unioner 2te doch noch gewinnen kann? Kaum einer setzte einen Pfifferling auf die Truppe, die nunmehr zwar immer noch auf dem vorletzten Platz der Tabelle steht, aber zum Saisonshowdown nur noch einen einzigen Punkt von Schwarzenbek und eben dem VfL getrennt ist.

So viel zum Derby, das seinen Namen verdient hat, aber morgen bereits geht es nach Trittau, wo die 2te noch nie irgendwas gerissen hat, meist gar krass verabschiedet wurde, aber das ist morgen, heute sind wir STADTMEISTER!

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