10.08.2017 - Drube muss es wissen: „Es wird ein Fest für Eichede“
51-jähriger ehemalige Hoisdorfer war auf dem Sprung zum Profifußballer und erlebte im DFB-Pokal gegen Bayern München das, was dem SVE bevorsteht

Fast jeder Junge träumt von einer Karriere als Fußballprofi. Auch Karsten Drube – und der war diesem Traum zu seiner aktiven Zeit sehr nahe. Nur noch wenige Schritte fehlten bis zum Profitum, doch im Alter von 25 Jahren musste der Abwehrspieler akzeptieren, dass sein Traum genau das bleiben würde: ein Luftschloss. Ein Bandscheibenvorfall beendete Drubes Laufbahn im leistungsorientierten Fußball. „Plötzlich wurde mir der Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt Drube rückblickend.

Während seiner Zeit beim damaligen Drittligisten TuS Hoisdorf weckte der Innenverteidiger Ende der 1980er Jahre unter anderem das Interesse der Bundesligisten VfB Stuttgart, VfL Bochum und SC Freiburg. Drube war bissig, zweikampfstark und legte den nötigen Ehrgeiz an den Tag. „Meine Spielart damals ist vergleichbar mit der von Mats Hummels oder Jerome Boateng“, sagt der heute 51-Jährige, der seine Liebe zum FC Bayern München dabei durchklingen lässt. Mit 1,76 Meter war Drube nicht gerade ein Abwehrriese – umso bemerkenswerter war daher seine Kopfballstärke.

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Insgesamt fünf Jahre lang hat der heute selbstständige Obst- und Gemüsehändler das Trikot des TuS Hoisdorf übergestreift. Als Youngster unter vielen Ex-Profis lernte Drube dort den großen Fußball kennen. Sein damaliger Trainer Bert Ehm beorderte den Jungspund aus dem zentralen Mittelfeld in die Innenverteidigung zurück. Hoisdorf war Ende der 80er Jahre und in den 90er Jahren das Maß aller Dinge in Schleswig-Holstein. „Wir hatten den Status, den Holstein Kiel heute genießt“, sagt Drube. Ein Landesmeistertitel (1988) und zwei Landespokalsiege (1988 und 1989) zählen neben der langjährigen Teilnahme an der damals drittklassigen Oberliga Nord zu den Erfolgen des Klubs. Die Stormarner klopften sogar an die Tür zur 2. Bundesliga. Das absolute Highlight war eine Niederlage. Für Drube stellt das DFB-Pokalspiel gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München am 24. September 1988 den Höhepunkt seiner Karriere dar. Zwei Mal qualifizierte sich Hoisdorf durch die Landespokalsiege für die zweite Runde des nationalen Wettbewerbs. Gegen das Star-Ensemble von Trainer Jupp Heynckes herrschte damals Ausnahmezustand. Im Lübecker Stadion an der Lohmühle erwarteten 20 000 Zuschauer voller Vorfreude das Kräftemessen mit den Bayern. „Es wären auch 35 000 Zuschauer gekommen, wenn es mehr Karten gegeben hätte“, betont Drube. Die Partie ging letztlich
mit 0:4 (0:2) verlorenBei dem SC Concordia Hamburg erlernte Drube als Fünfjähriger das Fußballspielen. Nach der Zeit in den Jugendmannschaften und einem Jahr bei den Herren, ging es zum Meiendorfer SV. Es folgte das Engagement beim TuS Hoisdorf, das mit dem Bandscheibenvorfall im besten Fußballeralter endete. Der Profifußball war so zwar außer Reichweite, aber auf Amateurebene kickte Drube noch ein paar Jahre, beim SC Elmenhorst ließ er seine Laufbahn ausklingen.

Als gelernter Programmierer musste Drube aus beruflichen Gründen von Hamburg nach Elmenhorst ziehen, wo er beim SCE im Jahre 1996 das Traineramt bekleidete. „Die Tätigkeit an der Seitenlinie hat genauso seine Reize wie die als Spieler“, sagt der 51-Jährige: „Als Coach bist du Vater, Freund und Feind zugleich. Du musst mit jedem deiner Schützlinge anders umgehen und eine gewisse Sensibilität beweisen. Das macht den Job aus.“ Über Elmenhorst, den VfL Tremsbüttel, Bargfelder SV, SSV Großensee und nochmals SC Elmenhorst landete Drube schließlich bei der SG Union/Grabau, die er bis zum Ende der vergangenen Saison in der Kreisliga betreut hat. Jetzt genießt der 51-Jährige, der auf Wochenmärkten in der Umgebung Obst- und Gemüse auf Bio-Basis verkauft, das Leben ohne den aktiven Fußball. Denn Drube hatte sich zwar immer wieder bequatschen lassen, doch Beruf und Traineramt unter einen Hut zu bekommen, wurde immer schwerer.

Der ehemalige Verteidiger kann nun den Fußball aus einer anderen Perspektive beobachten – als Zuschauer und Fan. Gern schaut er sich Spiele in der Umgebung an, genießt diese neu gewonnene Freiheit. Am Sonnabend wird er dem SV Eichede die Daumen drücken, der sich wie Hoisdorf damals in diesem Jahr für den DFB-Pokal qualifiziert hat. Zweitligist 1. FC Kaiserslautern ist zu Gast – und auch der SVE wird wie seinerzeit Hoisdorf im Stadion an der Lohmühle den Favoriten empfangen. Drube weiß ganz genau, wie sich die Spieler und Verantwortlichen vor solch einem Highlight fühlen: „Das ist eine tolle Sache für die Region. Auch wenn Kaiserslautern nicht mehr der große Name ist, wie es noch vor ein paar Jahrzehnten der Fall war, wird es ein Fest für Eichede.“ 

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